Kreta
Kurze Geschichte

Ursprünge
Alles, was in der mythischen Götterwelt der antiken Griechen Rang und Namen hat, ist auf eine besondere Weise mit der Insel Kreta verbunden. So darf natürlich der Göttervater Zeus höchstselbst in dieser elitären Runde nicht fehlen, da die Sage seinen Geburtsort ins tiefste kretische Gebirge verlegt. Dessen gottgleicher Sohn Minos, der legendäre König von Kreta, steht im Mittelpunkt der Mythen, die sich um das Mittelmeereiland ranken. Seine Frau Pasíphae schenkte ihm mit dem Minotaurus, einem Menschen mit Stierkopf, ein Monster als Sohn, das Minos tunlichst verbergen wollte. Zu diesem Zwecke ließ er den genialen Tüftler Dädalus –dem ersten Flieger der Menschheitsgeschichte – ein Labyrinth konstruieren, in dessen unerforschlichen Tiefen die Missgeburt fern aller schmachvollen, neugierigen Blicke sein Leben zubringen sollte.
Alljährlich verspeiste das Unwesen, mit einem besonderen Appetit gesegnet, sieben athenische Jungfrauen und ebenso viele athenische Jünglinge. Um diesem wiederkehrenden Blutzoll Einhalt zu gebieten, schickte Theseus, Sohn des Athener-Königs Ägeus, sich an, die Kreatur zu töten. Mit Hilfe einer List gelang dem jungen Abenteurer die mutige Tat, doch unseligerweise vergaß Theseus auf dem Rückweg nach Athen, die für den Erfolgsfalle vereinbarten weißen Segel zu setzen, sodass sein Vater Ägeus ihn tot glaubte. In seiner Verzwiflung stürzte er sich in die Fluten der See, die heute nach dem unglücklichen Herrscher Ägäisches Meer heißt.
Historische Anfänge
Ebenso weitverzweigt und verflochten wie das mythische Beiwerk der kretischen Geschichte, kommen auch die Unmengen der historisch beglaubigten Geschehnisse daher.
Die ältesten Funde der Insel lassen auf eine Besiedlung schon in der Jüngeren Steinzeit, um 6000 v. Chr., schließen. Es wird angenommen, dass die Siedler aus Kleinasien nach Kreta gelangten.
Ab 2000 v. Chr. bildeten sich Könige und autonome Fürsten aus der Masse der Sippen heraus. Die ersten Paläste wurden erschaffen, doch fand aus unbekannten Gründen diese Epoche einen jähen Abbruch.
Es folgte die Blütezeit der antiken, kretischen Kultur, die man nach dem Herrschaftstitel „Minos” auch die „minoische Epoche” nennt und die bis zum 1. Jahrhundert vor Christus andauerte. Zu dieser Zeit gewannen die Dorer die Überhand auf dem Eiland. Sie etablierten eine Unzahl von florierenden Stadtstaaten, die sich aber gegenseitig stark befehdeten, sodass die Römer im Jahre 67 v. Chr. die Herrschaft an sich reißen konnten.
Die Abgesandten des römischen Imperators errichteten prachtvolle Bauwerke, die zum Teil noch heute bewundert werden können.
Einfluss aus Byzanz
Mit der Anlandung des Apostels Paulus fand auch das Christentum sehr früh nach Kreta (etwa 59 n. Chr.). Nach der Teilung des Römischen Reiches durch Kaiser Theodosius I. im Jahre 395, fiel die Insel an Ostrom, dessen neue Hauptstadt Byzanz wurde. Die Bedeutung der byzantinischen Kultur für die Entwicklung der kretischen Lebensweise kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Allgegenwärtig sind auch heute noch die Hinterlassenschaften der byzantinischen Herrscher. Der Niedergang des Oströmischen Imperiums griff auch auf die abseits gelegene Insel Kreta über. Im Jahre 1210 konnten daher die Venezianer hier endgültig Fuß fassen.

Heute
Viele abendländische Künstler suchten vor den türkischen Eroberern des 15. Jahrhunderts Zuflucht auf Kreta, sodass sich die Insel zu einer Kulturhochburg im Mittelmeerraum entwickelte.
Erst 1669 erstritten sich die Türken unter ungeheuren Verlusten den Besitz des Eilandes, das trotz der ständigen Revolten seitens der einheimischen Bevölkerung bis 1897 unter türkischer Vormundschaft verblieb.
Damals griffen dann die alliierten Großmächte Russland, Frankreich und Italien mit Truppenkontingenten in den lange schwelenden Befreiungskrieg ein.
Bis 1913 existierte Kreta als souveräner Staat unter der Kontrolle der Großmächte, doch dann erzwang Eleftherios Venizelos – späterer Ministerpräsident Griechenlands – die Vereinigung mit dem griechischen Festland. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges nahmen deutsche Fallschirmspringer die Insel in Besitz. Die Kreter durchlebten in der Folgezeit die schweren Jahre eines Bürgerkrieges und eines Militärputsches, bis 1974 die griechische Republik per Volksentscheid eingerichtet wurde.
Seit 1981 ist Griechenland offiziell Mitglied der Europäischen Gemeinschaft. 2004 ersetzte der Euro die Drachme als griechische Landeswährung.
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